Die Sonne im Rücken

Einen schönen Titel hab’ ich mir da zurecht gelegt. Eigentlich wollte ich damit darauf anspielen, dass hier auf der Südhalbkugel die Sonne im Norden kulminiert und nicht – wie bei uns – im Süden. Dieser Fakt schlägt (wie schon in Südafrika) meinem (ich behaupte mal ganz kühn:) recht guten Orientierungssinn immer wieder ein Schnippchen. Wege zurück zum Auto o.ä. werden auf einmal unauffindbar, da ich felsenfest behaupte, wir müssten in die andere Richtung. Nach etwas überlegen, stelle ich fest, dass Westen/Osten gar nicht da sind, wo ich inital vermute. Die Sonne zeigt mir nicht mehr Süden an, sondern Norden. Vielleicht findet sich ja noch jemand dem es ähnlich geht, zwecks Gründung einer Selbsthilfegruppe (oder wahlweise Auftritte bei Britt am Mittag. Thema: “Hilf mir Britt ich weiß nicht mehr wo vorn und hinten ist“).
Das der Titel sich nun aber autonom so umdeutet, daß der Sonnenschein (oder zumindest das gute Wetter) im Norden bleibt und wir hier (mittlerweile deutlich weiter im Süden) in einen Jahrhunderregen reindonnern, dass konnte ja niemand wissen. Aber von vorne. Nach unserem Besuch auf Magnetic Island (Townsville) fuhren wir weiter Richtung Airlie Beach (man bewege den Finger auf der Landkarte weiter nach unten) um zu denWhitsunday Islands zu kommen. War das Wetter die letzten Tage eher durchwachsen, bot sich uns ein strahlend blauer Himmel, als wir mit dem Boot zu den Whitsunday Islands fuhren. Highlight eines jeden Whitsunday Island Besuchs ist sicherlich der Whitehaven Beach. Zurecht, wie ich meinen will. Denk Dir einen schönen, perfekten Strand aus und der Whitehaven Beach ist besser. Ich denke an dieser Stelle sprechen die Fotos wieder für sich. Das Weiß des Strandes ist so blendend, dass man mit dem Foto aufpassen muss, um nicht überzubelichten. ISO Zahl ganz runter, Blende ganz klein.
Nach dem Aufenthalt am Whitehaven Beach ging es mit dem Boot weiter zu Hook Island zum Schnorcheln. Zum zweiten Mal Schnorcheln am Great Barrier Reef. Wieder zwei Gruppen: Taucher und Schnorchlies, alles wie gehabt (Siehe auch hier).
Das Riff ist hier geschlossener und scheinbar größer (im vgl. zu Cape Tribulation), jedoch gibt es etwas weniger Fische bzw. die Fische sind auch etwas kleiner als in Cape Tribulation. Nichtsdestotrotz, wieder einmal eine tolle Erfahrung.
Eine tolle Erfahrung bei solchen Tagestouren sind auch immer die Leute, den man dort begegnet. Viele sehr nette, lustige Leute trifft man dort, aber auch immer wieder ein paar merkwürdige Unikate. So beehrten uns auf dieser Tagestour die (von uns so getauften):

  • Beckhams: Sie, spindeldürr modische kurzhaarfrisur und auffällig große Brille (wie die Engländer auf die Idee kommen können zu glauben, Viktoria Beckham sei eine Frau mit Klasse, muss mir nochmal jemand erklären). Er, kurzhaarschnitt, athletischer Oberkörper lässige Sonnenbrille und ordentlich Tatoos am Oberkörper. Beide ihres Zeichens Gesandte des Vereinigten Königreiches. “Rule Britania…”
  • The Ozbornes: Ohne Ozzy und Frau, dafür aber mit zwei Töchtern, die Kelly Ozborne zum verwechseln ähnlich sahen.
  • Horst Schlemmer mit Familie: Nur diesmal nicht aus Gräfenbroich, sondern aus der ehemals sowjetisch-besetzten Zone. Mutti und Vatti hatten sich gerade tierisch inne Haare (evtl. war das auch ihr normaler Umgangston), während die “kleine” Tochter einfach nich in sonne Taucheranzuch rinne wollte.

Schön. Für Entertainment war also (auch Abseits der im Programmheft angekündigten Attraktionen) gesorgt.
(Möcht nicht wissen, welchen Spitznamen die für uns hatten: Die Piefkes oder irgendwie sowas vielleicht…)

Nach dem sehr gelungenen Ausflug auf die Whitsunday Islands fuhren wir am nächsten Tag weiter Richtung Eungella Nationalpark (sprich Young-g’lla ).
Eigentlich wollten wir da Übernacht bleiben, um ggf. Schnabeltiere zu sehen, doch leider war bei unserer Ankunft, die Touri-Info nicht besetzt, kein Ranger weit und breit und generell und sowieso gab’s nur einen Campingplatz für Zelte und nicht für prollige VW Transporter. Also, Planung ändern. Tagsüber Wandern im Nationalpark, abends zurück an die Küste nach Mackay um dort zu übernachten. Soweit alles ganz prima (Schnabeltiere haben wir natürlich nicht gesehen!), bis auf die Tatsache, dass Mackay (der Finger geht auf der Karte weiter nach unten) doch irgendwie größer als gedacht ist und wir -ohne Stadtplan- keine Ahnung haben, wo unser Campingplatz ist. Nach mehrfachen Durchfragen und kreuz und quer fahren durch die Stadt kamen wir dann schließlich an.
Am nächsten Tag waren wir auch schon wieder “on the road”, diesmal mit Ziel Hervey Bay (der Finger geht auf der Landkarte weit nach unten!).
Abfahrt 09:15h, Ankunft 19:28h (genau zwei Minuten bevor der Campingplatz dicht macht :-) ), mit kurzen Zwischenstop in Rockhampton. Die selbsternannte Rinderhauptstadt eignet sich hervorragend um ein ordentliches Steak zu verdrücken.
Die letzten zwei Stunden der Fahrt in strömenden Regen. Wir hatten schon im Radio gehört, dass die letzten zwei Tage für die Region um Fraser Island Sturmwarnung galt, hoften aber insgeheim, dass der Strum sich legen würde. Falsch gedacht. Der Strum war/ist immer noch da.
Als es dann heute morgen ‘mal nicht regnete und der Himmel sich einigermaßen milde gab, beschlossen wir eine Wale Watching Tour zu buchen (Touren nach Fraser Island gibt es momentan nicht, da niemand mit seinem Boot an die Stände der Insel kommt).
Zwei Stunden später sollten wir abgeholt werden. Nach 1 Stunde fing ein Orkan an zu wüten. Überall knickten Bäume um, es regnete wie in Strömen -> Tour abgesagt. Na toll.
Und was war nach dem Orkan…schönes Wetter mit Sonnenschein. Wir konnten sogar draußen im freien zu Abend essen. Gerade als wir naiver Weise wieder mit hoffnungsgetragener Planung für morgen anfangen wollten, fängt es wieder an zu regnen.
Kurzum, wir werden jetzt mal sehen, wie sich das Wetter weiter entwickelt (Laut Wetter.com gibt es erst am Sonntag Besserung). Momentan sieht es aber schlecht für unseren Besuch auf Fraser Island (der größten Standinsel der Welt) aus. Wir fahren morgen evtl. etwas weiter nach Rainbow Beach (weiter Richtung Süden) und versuchen es dort nochmal auf die Insel. Eigentlich wollen wir Fraser Island nicht verpassen, aber hier Tage lang mit Warten verlieren ist auch nicht so toll…

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