When the going get tough…
Im Regen ging es vom Cape Tribulation zu den Atherton Tablelands etwas ins
Landesinnere. (Für die Leute mit dem Finger auf der Landkarte: Vom Cape Tribulation nach links unten…). Vorbei an der Touristadt Kuranda immer weiter ins Landesinnere Richtung Atherton. Zwischendurch machten wir Halt an einer Farm am Rand des Highways, um uns mit frischem Obst einzudecken. Mandarinen, Orangen, Tomaten, Auberginen, Bananen alles frisch vom Baum/Strauch…für wenig Geld. Am Strassenrand, als ständiger Begleiter: tote Wallabies/Kanguruhs. Von den Wildunfällen hatten wir schon viel gehört vor allem in der Nacht soll es nicht ohne sein, hier zu fahren.
Zwischendurch Halt an einem Vulkankratersee und immer weiter ins Landesinnere. Bis spätestens 21:00h sollten wir an unserem Ziel angekommen sein: dem Campingplatz im Undara Volcanic National Park. Unser Problem: Das Wetter wird hier oben immer schlechter, neben dem Regen stellt sich jetzt auch noch Nebel ein und “bei der einbrechenden Dämmerung ist mit baldiger Dunkelheit zu rechnen.” (Die kursiv gesetzte Weisheit ist aus einer Bundeswehr ZBV für den Soldaten zu Land…hat sich doch gelohnt jedient zu haben!) Mit Dunkelheit ist hier momentan so schon geben 6-7 Uhr zu rechnen, also recht früh.
Auch gegen meinen Ratschlag hin die Reise auf halben Weg in Ravenshoe abzubrechen und den Nationalpark, Nationalpark sein zu lassen, gibt Silke nicht auf. Eine Frau (fast) alleine gegen die Elemente. Einige Strassenabschnitte sind nur mit 20km/h befahrbar, weil man fast nichts sieht. Aber wir bahnen uns weiter unseren Weg. When the going get though, the tough get’s going.
Irgendwo hinter den Misty Mountains (die heißen wirklich so!) verschwindet wenigstens der Nebel und die Fahrt wir etwas angenehmer…aber nicht lange. Hier hinten fängt das Outback an und “normale” Straßen hören auf. Aus zwei asphaltierten Spuren wird eine, die links und rechts mit jeweils 2 Metern planiertem roten Schotterweg flankiert ist. Sobald Gegenverkehr auszumachen ist, fährt jeder der Verkehrsteilnehmer halb nach links auf den Schotter um den jeweils anderern passiern zu lassen. Noch über 120km…Fahrt.
Jetzt haben wir einen Sattelschlepper vor uns. Das ist unsofern gut für uns, dass wenn irgendein Tier (Kanguruh, Kuh, Schaf, …) auf die Strasse rennt unser großer Freund das arme Vieh ordentlich filletiert und wir nur noch den Scheibenwischer betätigen müssen. Mount Garnet, unser Truckerfreund verabschiedet sich, wir fahren tapfer weiter.
Gegen 20:45h haben wir es dann tatsächlich geschafft. Der Eingang des Nationalparks ist erreicht. Jetzt noch schnell zur Lodge und gut is…
So schnell wird daraus leider nichts. Die bis hierhin wenigstens halbwegs asphaltierte Strasse geht jetzt in eine Schotterpiste über, die von der letzten Überfluttung über kleine betonharte Rillen verfügt. Der Wohnbereich unseres Campervans klappert das einem die Ohren wegfliegen und vor meinem geistigen Auge sehe ich uns schon mitten in der Nacht vor einem VW Bus Puzzle stehen.
20:58h es ist vollbracht wir stehen vor der Rezeption der Lodge. Einchecken, einparken, einschlafen.
Wieder, haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Einchecken, geht noch. Einparken nicht mehr so ganz. Der uns zugewiesene Campingground “13 or 14… take what’s free” ist besetzt. Sowohl 13 als auch 14. Prima. Na, die haben’s hier aber organisatorisch voll raus. Ich gehe erst ‘mal zu Fuß weiter und suche irgendeinen freien Campingground. Nach minutenlangem sinnlosen Umherrirren erbamt sich ein älteres australisches Camperpärchen: “No problem. You can park here. No worries!”.
Endlichen wir können einparken und einschlafen…
Für den nächsten Tag haben wir eine Tour durch die Lavacaves gebucht. Die größten Lavahöllen der Welt gibt es hier zu sehen. Und sie sind wirklich gigantisch. Unterirdische Höhlen, die von Lavastörmen geformt wurden.
Und auch überirdisch ist es nicht weniger interessant. Das Outback. Eigentlich dachten wir, dass wir es auf unserer Ostküsten-Tour überhaupt nicht zu sehen bekommen, aber jetzt ist es da. Rote Erde, karge Vegetation…das Outback.
Gegen Mittag brechen wir schon wieder auf. Zurück Richtung Küste über Millaa Millaa, das in etwa so aussieht wie das Alpenvorland. Sogar Holsteiner Kühe gibt es hier. Die Illusion ist fast perfekt, würden da nicht die Palmen am Wegesrand stören. Tagesziel heute: Mission Beach.
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